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Der „Berliner Charme“ ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Wir gelten im Allgemeinen nicht als besonders liebenswürdiges  Völkchen. Das hängt damit zusammen, dass wir keine großen Umschweife machen und gern direkt „mit der Tür ins Haus fallen“. Wenn  wir dann aber besonders freundlich sein wollen, schieben wir seltsamerweise das Wörtchen „vielleicht“ gern auch noch in Kombination  mit einem flotten “mal” vor unser Anliegen. Aber so klein, unscheinbar und niedlich dieses Wörtchen daher kommt, so groß ist dann  jedoch seine Wirkung. Ganz besonders, wenn der Verwender dieses Wortes mit dessen Betonung durcheinander kommt. Dann wird  aus der Möglichkeit, etwas zu tun oder zu lassen, ein Statement, eine Ansage, eine kleine Drohung.   Kleines Beispiel über die hinterlistige Wirkung dieses netten Wörtchens gefällig? Bitte schön!  Mittagspause in der Firma. Alles trifft sich in der Kantine. Fast alle Tische sind voll, doch ganz hinten, da könnte noch ein Plätzchen frei  sein. Oh, neben der Dame von der Personalabteilung, na macht nichts, man kann sie ja höflich bitten: „Können Sie v i e l l e i c h t mal  rutschen?“ Schon ist es passiert, die Beförderung ist wohl erst einmal dahin. Zuviel Betonung auf das vielleicht und schon wird aus  gewollt höflicher Bitte eine barsche Zurechtweisung. Man hätte auch gleich sagen können `Jetzt rutschen`se mal ´n bisschen  beiseite!`. Das meint dann so viel wie: sie belegen zuviel Platz, machen sie sich nicht so dick, ein bisschen mehr Rücksichtnahme bitte!  Die Liste der versteckten Vorwürfe könnten Sie in Gedanken sicher noch verlängern.    Was in der Kantine zu fatalen Ergebnissen führt, ist im Kundengespräch genauso schlecht. Dem Kunden zu sagen: `Vielleicht können  Sie mir das mal zuschicken` oder `Vielleicht rufen Sie mal später an!` kann recht heikel ausgehen. Ìm Klartext versteht der Gegenüber:  `Bevor Sie mir nichts schicken, fange ich gar nicht erst an` und im zweiten Fall `Eine Unverschämtheit, dass Sie mich jetzt stören!`Das  Risiko, falsch verstanden zu werden ist so groß, dass wir das Wort v i e l l e i c h t vielleicht am Besten aus unserem Vokabular streichen  sollten.   Eine hübsche Berliner Besonderheit ist auch der Satz: „Vielleicht geht´s noch?“. Der drohende Unterton darin würde ins Hochdeutsche  übersetzt soviel bedeuten wie: „Du Blödmann!“  Lassen wir also dem „vielleicht“ seine Leichtigkeit. Vielleicht scheint morgen die Sonne. Vielleicht geht alles gut und vielleicht habe ich  den Hauptgewinn. Vielleicht kann so viel Hoffnung in sich tragen. Es ist aber nicht dazu geeignet, eine Aufforderung damit zu beginnen.   Sagen wir doch statt dessen besser zu den Kollegen am Kantinentisch „Bitte rutschen Sie doch etwas zusammen, dann kann ich mich  auch noch setzen!“ oder zum Kunden „Bitte senden Sie mir die nötigen Unterlagen zu.“ Dann klappt es mit der Beförderung und das  Geschäft mit dem Kunden haben wir auch gesichert.  Beate Schumann  
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 Kolumne 3
Das hinterlistige VIELLEICHT
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Kolumne 3
Das “hinterlistige” Vielleicht

KOLUMNE

Der „Berliner Charme“ ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.  Wir gelten im Allgemeinen nicht als besonders liebenswürdiges  Völkchen. Das hängt damit zusammen, dass wir keine großen  Umschweife machen und gern direkt „mit der Tür ins Haus fallen“.  Wenn wir dann aber besonders freundlich sein wollen, schieben wir  seltsamerweise das Wörtchen „vielleicht“ gern auch noch in  Kombination mit einem flotten “mal” vor unser Anliegen. Aber so  klein, unscheinbar und niedlich dieses Wörtchen daher kommt, so  groß ist dann jedoch seine Wirkung. Ganz besonders, wenn der  Verwender dieses Wortes mit dessen Betonung durcheinander  kommt. Dann wird aus der Möglichkeit, etwas zu tun oder zu lassen,  ein Statement, eine Ansage, eine kleine Drohung.   Kleines Beispiel über die hinterlistige Wirkung dieses netten  Wörtchens gefällig? Bitte schön!  Mittagspause in der Firma. Alles trifft sich in der Kantine. Fast alle  Tische sind voll, doch ganz hinten, da könnte noch ein Plätzchen frei  sein. Oh, neben der Dame von der Personalabteilung, na macht  nichts, man kann sie ja höflich bitten: „Können Sie v i e l l e i c h t  mal rutschen?“ Schon ist es passiert, die Beförderung ist wohl erst  einmal dahin. Zuviel Betonung auf das vielleicht und schon wird aus  gewollt höflicher Bitte eine barsche Zurechtweisung. Man hätte  auch gleich sagen können `Jetzt rutschen`se mal ´n bisschen  beiseite!`. Das meint dann so viel wie: sie belegen zuviel Platz,  machen sie sich nicht so dick, ein bisschen mehr Rücksichtnahme  bitte! Die Liste der versteckten Vorwürfe könnten Sie in Gedanken  sicher noch verlängern.    Was in der Kantine zu fatalen Ergebnissen führt, ist im  Kundengespräch genauso schlecht. Dem Kunden zu sagen:  `Vielleicht können Sie mir das mal zuschicken` oder `Vielleicht  rufen Sie mal später an!` kann recht heikel ausgehen. Ìm Klartext  versteht der Gegenüber: `Bevor Sie mir nichts schicken, fange ich  gar nicht erst an` und im zweiten Fall `Eine Unverschämtheit, dass  Sie mich jetzt stören!`Das Risiko, falsch verstanden zu werden ist so  groß, dass wir das Wort v i e l l e i c h t vielleicht am Besten aus  unserem Vokabular streichen sollten.   Eine hübsche Berliner Besonderheit ist auch der Satz: „Vielleicht  geht´s noch?“. Der drohende Unterton darin würde ins  Hochdeutsche übersetzt soviel bedeuten wie: „Du Blödmann!“  Lassen wir also dem „vielleicht“ seine Leichtigkeit. Vielleicht scheint  morgen die Sonne. Vielleicht geht alles gut und vielleicht habe ich  den Hauptgewinn. Vielleicht kann so viel Hoffnung in sich tragen. Es  ist aber nicht dazu geeignet, eine Aufforderung damit zu beginnen.   Sagen wir doch statt dessen besser zu den Kollegen am  Kantinentisch „Bitte rutschen Sie doch etwas zusammen, dann kann  ich mich auch noch setzen!“ oder zum Kunden „Bitte senden Sie mir  die nötigen Unterlagen zu.“ Dann klappt es mit der Beförderung und  das Geschäft mit dem Kunden haben wir auch gesichert.  Beate Schumann  
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